An der Wegegabelung K 140 und dem Wirtschaftsweg nach Scheidchen steht ein Grabstein, dem die Bedeutung eines Wegekreuzes angedacht worden war. Dieser versank seit Jahren in Vegetation, wies schon erhebliche Verwitterungserspuren auf und bildete gerade am Ortseingang nach Manderscheid keine Willkommensgeste.

Bild: Wegekreuz vor Restaurierung

Das Gemeinderatsmitglied Thilo Stobbe störte sich an dem Erscheinungsbild des einzigartig schön gearbeiteten Grabsteines. Nach sorgfältiger Prüfung durch den Ortsbürgermeister Ewald Hermes auf mögliche Eigentumsrechte, erhielt Thilo Stobbe im Herbst die Genehmigung den Grabstein zu restaurieren. Nach großzügiger Entfernung des Wildwuchses wurde der Stein mit einer Winde in senkrechte Position gestellt, in mehreren Arbeitsschritten von Farbresten gereinigt und ausgebessert, wobei der konkav gearbeiteten Engelsfigur besondere Aufmerksamkeit gewidmet wurde.

Der Stein selbst besteht aus einem Sockel-, Unter-, Mittel- und Oberteil, der ursprünglich einen kreuzartigen, jedoch abhanden gekommenden Aufsatz trug. Die Gesamheit bildet einen Grabstein aus rotem ortsüblichen Sandstein, wobei das Mittelteil die konkave Engelerscheinung beinhaltet. Thilo Stobbe vermag es bis heute nicht zu sagen, ob es sich bei dem Mittel- und Oberteil des Steines tatsächlich um Sandstein handelt, oder ob hier ein rot eingefärbter Zementguß zur Anwendung kam, konnte man doch so täuschend echt und kostengüstig Steine dieser Art reproduzieren. (Klarheit würde hier nur eine chemische Analyse bringen…)

Aus Witterungsgründen wurde alles das, was roten Sandstein darstellen soll, mit hochwertiger Fassadenfarbe sandsteinrot und die Ebene für Schriftzüge cremeweiß gestrichen. Die Engeldarstellung wurde mit Acrylfarben dezent aufgewertet. Die weiße Marmorplatte wurde demontiert, gereinigt und geschliffen. Der Schriftzug wurde farblich erneut hervorgehoben und mit zeitgemäßen Befestigungsmitteln wieder angebracht.

Bild: Wegekreun nach Restaurierung

Während der Arbeiten wurden Inschriften endeckt, die trotz bewusster Unkentlichmachung folgendes über den Grabstein aussagen: Der Grabstein war einem Herrn Gerhard Kolff aus Greimelscheid gewidmet, der 1892 verstorben und auf dem Friedhof in Waxweiler beerdigt worden war. Nach Ablauf der Ruhezeit bzw. nach Auflassung der Grabstätte wurde der Stein vermutlich aus familiärer Bindungen nach Manderscheid von Bewohnern an Ort und Stelle aufgestellt. Dieser Stein sollte nunmehr als Wegekreuz an den Verstorbenen erinnern. Genaueres ließ sich bisher „im Dorf“ nicht in Erfahrung bringen. Vermutlich fand das Aufstellen des Steines während des Krieges statt, denn Altbürgermeister Willi Hermes, gestorben im September 2018, berichtete, dass der kreuzartige Aufsatz in den letzten Kriegstagen abhanden gekommen sein muss…

Nach Fertigstellung des Steines wurde eine stilvolle Buchsbaumbepflanzung vorgenommen. Bei den notwendigen Ausschachtungsarbeiten wurde der kreuzartige und längst verloren geglaubte Aufsatz unter einer Humusschicht in zwei Teilen wiedergefunden. Nach Restaurierung des Kreuzes wurde er dem Stein hinzugefügt, so dass nach 75 Jahren der Stein wieder vollständig ist.

Für Thilo Stobbe war das Wiederfinden der beiden Teile, die das Kreuz bilden, der erhabendste Augenblick der ganzen Aktion.